Gute Nachrichten über die Liebe

Liebe – ein Gefühl, das bei den einen Glück und bei anderen Schmerzen verursacht. Aber ist da wirklich die Liebe an allem Schuld?

Gute Nachrichten über die Liebe
 

„Ich könnte jeden Morgen mein Kissen auswringen“ – sagte meine Freundin und seufzte: „so nass ist es vom Heulen ...“
Meine Freundin weint gerade tatsächlich jede Nacht, sieht müde und erschöpft aus. Vor kurzem musste sie (schon wieder) eine Trennung ihres Lebens aushalten und wollte unbedingt etwas unternehmen um nie mehr in einer Beziehung verletzt zu werden. Ihre Lösung: keine Liebe mehr. Weil sie wehtut. Weil sie nur Unglück bringt. Reden geht, einander begegnen geht auch – aber nur mit „geschlossenem“ Herzen.

Ich hörte meiner Freundin zu und eine Reihe von Überlegungen und Argumenten strömten durch meinen Kopf. Ich wollte ihr und will ihr unbedingt beweisen, dass die Ursache ihres Unglücks nicht die Liebe selbst ist. Und doch verstehe ich ihre Entscheidung, denn sie ist nicht außergewöhnlich. Viele von uns wählen im Moment einer persönlichen emotionalen Verletzung den falschen Täter, nämlich die Liebe, und lassen Angst und Ablenkung in unserer „Seele“ weiterhin frei agieren.     

Glaubst du auch, dass die Liebe unglücklich sein kann? Willst du manchmal nie wieder dieses große Gefühl erfahren, nur aus Angst davor, dass du am Ende (wieder) unglücklich sein wirst? Dann ist dieser Text für dich, denn in meinen Augen hat Yoga gute Nachrichten für dich, wenn es um Liebe geht …

 

Eine yogische Sicht

Für einen Verstand oder Geist, der sich seit längerer Zeit mit Yoga und Meditation beschäftigt, klingt die „unglückliche Liebe“ genauso absurd wie „unglückliche Wärme der Sonne“ oder „unglückliche Kraft des Windes“. Diese Naturkräfte sind stark und einflussreich, lassen sich jedoch nicht über Glück oder Unglück definieren.

Was uns oft in unseren persönlichen Liebesgeschichten enttäuscht, sind die begleitende Emotionen sowie unerfüllte Erwartungen. Aus yogischer (oder spiritueller) Sicht ist unsere Liebe weder unsere Erwartung, noch die begleitenden Emotionen. Klingt spannend? Um diese frische positive Idee klar zu machen, sollen wir als Erstes zwischen zwei grundlegenden Begriffen unterscheiden. 


1.     Die begleitenden Emotionen – es scheint nur Liebe zu sein

Liebe ist ein höchst persönliches Gefühl. Sehr häufig verbinden wir die Liebe (oder besser zu sagen die scheinbare Liebe) mit dem persönlichen Erfolg, der Anerkennung und Stabilität im Leben. Wir fühlen uns wertvoll genug, nur wenn wir von einem Partner oder einer Partnerin geliebt werden (oder von unseren Eltern / Kindern).

Die Anwesenheit der Beziehung lässt uns zuversichtlich in Zukunft blicken; ohne Beziehung sehen wir eher schwarz oder zumindest grau. Darüber hinaus nutzen wir die Liebe um uns selbst zu beweisen, dass wir attraktiv, erfolgreich und „magnetisch“ sind. Diese Denkweise wird stark vom Egozentrismus geprägt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass alle diese Emotionen keine reine Liebe sind, sondern die emotionale Begleitung, die oft eine unnötige Belastung für Liebe bilden kann. Aufgrund dieser emotionalen Begleitung erfahren wir so oft tiefe Verletzung oder Beleidigung im Moment der Ablenkung oder Wegganges unseres Partners oder unserer Partnerin, Eltern oder Kindern. Eine wesentliche Erkenntnis besteht darin, dass die begleitenden Emotionen aus der falschen Verbindung zwischen Liebe und Anerkennung stammen sowie aus unnötigen Versuchen die objektiven Gründe und Voraussetzungen für Liebe zu finden. 

Liebe ist ein spontanes, natürliches und unlogisches Gefühl, große Arbeit für das Herz und ein langer Urlaub für den Verstand. Wenn sie anders als gedacht passiert, fühlen wir Unglück, das jedoch nur von den begleitenden Emotionen verursacht werden kann: je stärker die falschen Verbindungen zwischen der persönlichen Anerkennung und Anwesenheit der Liebe (mit Partner/in, Eltern, Kindern) desto tiefer die Verletzung.

Im Gegensatz zu den begleitenden Emotionen, kann das reine Gefühl der Liebe nie verletzend sein. Wir kehren zu dieser Idee zurück, nachdem wir den zweiten Begriff betrachten:


2.     Die Erwartung – eine Reißzwecke für deinen Verstand

Es gibt keinen Platz für Liebe im Wartezimmer! An dieser Stelle kannst du dir ein Schild mit diesem Satz an der Wand eines Warteraums vorstellen und lächeln. Wahrscheinlich werden auf dieser Tafel so typische Erwartungen geschrieben wie:

  • Meine Liebe muss eine hübsche Blondine sein
  • Mein Sohn muss so klug sein, dass er einen Nobelpreis gewinnt
  • Mein Freund sollte nicht weniger als XY EUR monatlich verdienen
  • Sie muss nicht schlechter als meine Mutter kochen können
    und überhaupt:
  • Wo ist mein Ring? 

Erwartungen sind Reißzwecken sehr ähnlich. Sie halten unseren Verstand auf einem bestimmten Bild fest.  Wie schon erwähnt, schickt die echte Liebe den Verstand in den Urlaub. Wenn du verliebt bist, landest du bald in eine andere Dimension, in der du nicht an dich denkst, sondern daran, was du noch „deiner zweiten Hälfte“ oder „deinem Liebsten“ geben kannst.

Im Erleben von begleitenden Emotionen, analysiert dein Verstand ganz akribisch. Er hält sich so an einer bestimmten Vorstellung fest und als Ergebnis kann sich die Liebe gar nicht entwickeln und schon gar nicht erblühen. Du bist so fixiert auf deine Erwartungen, dass du – falls sie nicht genauso erfüllt werden, wie du es dir wünschst (oder eben erwartest!!!) – nur unglücklich werden kannst.

Aber woher stammen unsere Erwartungen? Schau dich um! Sie wurzeln in gesellschaftlichen Vorstellungen. Die Gesellschaft sieht Liebe als glücklich, wenn es gegenseitig „funktioniert“ und ebenso die gesellschaftlichen Erwartungen vollkommen getroffen werden. Im Gegensatz zur gegenseitigen Liebe, wird die einseitige (oder unerwiderte) Liebe in der Gesellschaft als eine tiefe (und gleichzeitig peinliche) Tragödie, großer Fehler und schmerzhafter Verlust gesehen. Sie wird als Unglück definiert. Aber es geht in der Wirklichkeit um Tragödie des Verlustes von Erwartungen. Gegenüber unerfüllten Erwartungen kann das reine Gefühl der Liebe nie tragisch sein.


Warum? Jetzt ist die richtige Zeit um das zu verstehen: Liebe ist die Kraft, genauso wie Wärme der Sonne. Diese Kraft lässt sich erleben und erfahren, bringt die Veränderung mit und existiert außer dem Raum von Glück oder Unglück.  Aus yogischer Betrachtung ist Liebe genauso wie Sonnenwärme oder Windstoß – eine einflussreiche Kraft. Die Liebe gibt uns die größte Chance für eine tiefe Selbsterkennung, unabhängig von begleitenden Emotionen, gesellschaftlichen Vorstellungen und Erwartungen. Es ist ein sicherer obwohl auch schwerer Weg der Selbsterkennung. Der Prozess der Selbsterkennung kann nie als eine Tragödie oder als ein Fehler wahrgenommen werden.

   


Win-win Situation

„Die glückliche Liebe“
Stell Dir vor, dass du eine erblühende Partnerschaft mit einem endlosen Ozean der gegenseitigen Liebe erlebst. Als Folge werden alle möglichen Grenzen deines Herzens erweitert. Aus spiritueller Sicht ist es die richtige Zeit deine große Veränderung wahrzunehmen. Das Ergebnis der Verbreitung und Wahrnehmung – du bist gewachsen.
 

„Die unglückliche Liebe“
Stell dir bitte vor, dass du eine unerwiderte Liebe erfährst. Oder deine perfekte Beziehung ist plötzlich ruiniert. Du hast das noch nicht klar verstanden, du brennst noch einige Zeit einseitig, gibst weiter was du geben kannst, aber Nichts kommt von deiner „zweiten Hälfte“. Ist es die Beschreibung einer Tragödie? Auf keinen Fall!
Als Folge der unerwiderten (oder plötzlich ruinierten) Liebe erweitern sich die Grenzen deines Herzens. Alles was dich unglücklich macht, ist das Scheitern deiner Erwartungen und ein Schlag ins Gesicht deiner Anerkennung.  Jetzt, vergiss die Erwartungen und begleitende Emotionen, (die Schönheit deiner inneren Welt, Anerkennung und  Erfolg hängen doch nicht von deiner Partnerschaft/Eltern- oder Kindesliebe ab!).
Du hast dich über dein Gefühl verändert, du hast alle deine Grenzen erweitert und neu erkannt. Das ist falsche Zeit um Fragen „Warum?“ „Wofür?“ und „Was wäre wenn…“ zu stellen, sondern richtige Zeit um deine persönliche Veränderung wahrzunehmen. Das Ergebnis der Verbreitung und Wahrnehmung – du bist gewachsen.


Überraschenderweise gibt es aus spiritueller Sicht gar keinen Unterschied zwischen „glücklicher“ und „unglücklicher“ Liebe. Die Ergebnisse bei den beiden Szenarios sind dein persönliches Wachstum und erneute Selbsterkennung. Aus yogischer Sicht ist die Liebe die größte Chance für Wachstum und Veränderung. Es ist eine große spirituelle Praxis und ein starker Akt der Selbsterkennung. Was diese Chance mit Glück verbindet sind Klischees der Gesellschaft (Erwartungen) sowie unser Egozentrismus.


In der Praxis:  

Das reine Gefühl der Liebe kann uns nie verletzen. Was uns verletzt ist das Scheitern von Erwartungen und egozentrischen Wünschen. Die Erwartungen und begleitende Gefühle sind ähnlich einer dicken Staubschicht auf einem wunderschönen Bild. Wenn du niest, ist wegen des Staubs, nicht wegen des Bilds! Das Bild ist da um die Schönheit der Natur und die Tiefe unserer inneren Welt zu erfahren und genießen zu können! Es ist da nur aus guten Gründen.

Um diese Weisheit umzusetzen, können wir versuchen ein paar neue Schritte in unsere Liebegeschichten zu integrieren, nämlich einen regelmäßigen „Selbst-Check“ durchzuführen:

  • Erkenne deine begleitenden Emotionen:
    Wie sieht deine Zukunft mit  deiner Liebe aus?
    Was ändert sich wenn du dir die  Zukunft ohne deine Liebe vorstellst?
    Was gibt die Liebe deiner Persönlichkeit?
     
  • Definiere und sortiere deine Erwartungen:
    Was erwartest du von deinem Partner/deiner Partnerin/Eltern/Kindern?
    Was bleibt übrig, wenn du Nichts erwartest?
     
  • Antworte dir selbst in aller Ehrlichkeit:
    Was gibst du in deiner Liebe und warum?
    Gibst du etwas ohne bestimmten Gründen?
     
  • Nimm dich wahr, nimm dich wahr, nimm dich wahr …

Wenn du dich mit dieser leichten „Selbst-Check“ Übung beschäftigst, siehst du mit der Zeit, dass es gar keine glückliche oder unglückliche Liebe gibt. Es gibt nur die Liebe – eine Naturkraft, die uns hilft, uns zu entwickeln und zu wachsen. In jeder Liebesgeschichte geht es letztendlich um deine Selbsterkennung. Es geht darum, dass du unter Sonnenwärme wachsen kannst. Du wirst sehen, dass man dieses große Gefühl bei der Gelegenheit angstlos erleben soll: langfristig oder immer wieder neu.

 

 


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Über die Autorin: 

Als Yoga-Lehrerin und Denkerin ist Sati Tias begeistert von Yoga, weil es viel im Leben positiv beeinflussen und zum Besseren wandeln kann. Sie folgt ihrem yogischen Weg seit 14 Jahren und dabei mehrere Ausbildungen und Meditationsretreats absolviert (klassische 500-RYT Ausbildung, Iyengar und Ashtanga Yoga Praxis, Meditation und Yin Yoga, Kurse beim Oxford University department for continuing education:  “Psychology, an introduction”, “Philosophy of mind”).

Ab 22. April 2017 unterrichtet Sati Tias eine neue YIN Yoga Ausbildung im Yoga Zentrum Mödling

 

 

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