OM als Urlaut und Klang des Universums

OM ist wohl der "Star" unter den Klängen und Zeichen in der Yogawelt. Doch welche Bedeutung birgt dieser Star? Was hat er mit der Schöpfungsgeschichte zu tun? Inwiefern steht er in Verbindung mit der Zahl drei? Antworten auf diese Fragen und mehr Wissen präsentiert hier Lena Wiesbauer.

  • OM ein Zeichen ein Klang

OM
ein Zeichen ein Klang
OM
alles von Anfang an
OM
ein klares Verbinden von drei
OM
eine Schwingung, die setzet uns frei
OM
ein Klang, der Einklang beschwingt
OM
und um uns und tief in uns drinnen singt

 

Kann man eigentlich viel Worte über OM verlieren? Ja, kann man, denn der Klang von OM reist gerne an den Ort der Wortlosigkeit und Stille, dorthin, wo die Worte sich verlieren und nur noch Wellenlängen tanzen. Drum: Das Verlieren der Worte möge beginnen.

Die Entstehung des universOMs

„AUM ist das Universum und dieses ist die Ausdrucksform von AUM. AUM ist die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft, alles, was war, alles, was ist,und alles, was sein wird. Ebenso ist auch alles, was jenseits der Begrenzungen von Zeit existieren könnte, gleichermaßen AUM“ (Mandukya Upanishad I,1 aus „AUM, Die unendliche Energie“ von Dr.Vinod Verma).

Die indische Schöpfungsmythologie kann so gedeutet werden, dass OM der Anfang von allem ist.  Aus diesem Laut sei alles hervorgegangen, alle Lebensformen, Ideen und Offenbarungen, alle Manifestationen von Spiritualität und Kreationen der Welt. Die Schwingung, die bei einem stetig wiederholten Singen von OM entstehe, entspreche der Schwingung, die als Erstes bei der Schöpfung geschaffen wurde. Die Schöpfung selbst war demnach durch die Schwingung des OM geboren worden. Das meint die indische Schöpfungsehre, und Ähnliches findet sich übrigens auch in anderen Schöpfungsmythen. So in der deutschen Einheitsübersetzung des Johannes-Evangeliums (JOH 1,1):
„Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“
Interessant dabei ist, dass in der um einiges älteren Version der Bibel, in der griechischen, für das „Wort“ der Ausdruck(lógos) verwendet wurde. Dieser verfügt über ein unfassbar großes Bedeutungsspektrum – auf Wikipedia heißt es: "Ein einschlägiges Wörterbuchbietet u. a. folgende Übersetzungen an: Sprechen, mündliche Mitteilung, Wort, Rede, Erzählung, Nachricht, Gerücht, (grammatikalischer) Satz, Ausspruch Gottes, Befehl (NT), Weissagung (NT), Lehre (NT), Erlaubnis zum Reden, Beredsamkeit, aufgestellter Satz, Behauptung, Lehrsatz, Definition, Begriffsbestimmung, wovon die Rede ist, Sache, Gegenstand, das Berechnen, Rechenschaft, Rechnung, Rücksicht, Wertschätzung, Verhältnis, Vernunft." Warum blieb am Ende in der Bibel der Begriff "Wort" übrig? Kann lógos das OM sein, das OM der lógos?

In einer anderen Schöpfungsgeschichte, in der der Maya, steht übersetzt:
„Dies ist die Kunde, hier ist sie / noch regt sich nichts / nur ein Flüstern ist es / ein Rascheln, nur ein Atemhauch / nur ein Summen / und leer ist der Raum unter dem Himmel.“
Kann das Summen das OM sein, das OM ein Summen?
OM, der Klang mit dem also alles begann, die Existenz, Transzendenz und OMnipräsenz des Universums. Diese Welt wurde aus OM, ist OM und wird sich wohl eines Tages darin auflösen.

 

OM – Klangsamkeit
OM erdet uns auf himmlische Art und Weise. Quellen belegen, dass der Jahreston der Erde – dieser Ton ergibt sich aus der Schwingung, die eine komplette Sonnenumkreisung der Erde in Anspruch nimmt – das OM sei. Für ganz Interessierte: Es handle sich hierbei um das Cis bei 136,10 Hz, auch „Ton des Herzens“ genannt.
OM setzt sich zusammen aus den Buchstaben A, U und M. Der erste Teil des Klanges beginnt mit einem langen AU, das jedoch wie „o“ in „ohne“ auf Deutsch, intoniert wird. Der zweite Teil des Klanges endet mit einem nasalen „m“, was auf ein lang gezogener Ton ist. 
Der Musiker und Bhakti-Künstler Dave Stringer sagt zu OM folgende Worte: „Als ich das erste Mal von OM hörte, waren da all diese Erklärungen, die ich nicht wirklich verstand oder begreifen konnte. Also dachte ich, dass es wohl am besten wäre, einfach all diese Erklärungen erstmal zu vergessen und selbst zu erfahren, wie sich OM für mich an anfühlte. (...) O ist der Klang des Wunderns, des Öffnens und des sich selbst Ausbreitens. In beinahe jeder Sprache ist „O“, der Klang dafür, wie wir unsere Überraschtheit und unser Staunen ausdrücken. M bedeutet Genuss und Zufriedenheit. M ist für mich auch das Gegenteil von O. O ist Ausbreitung, M das Zurückkehren. OM ist also eine Verbindung von ganz hinaus- und ganz hineingehen.“

OM ist somit die klangsame Vertonung von dem, was wir auf dem Yoga-Weg erleben. Ausbreitung, und Ausweitung unserer selbst, verbunden mit Eingehen und Einsehen in uns selbst. Nicht selten beginnen und enden Yogastunden mit einem OM, schwingen uns ein- und aus, damit wir beschwingt in die Stunde gehen und deren Wirkung hinaustragen.
Regelmäßiges OM-Singen kann mit der Zeit eine liebe- und klangvolle Stimme hervorbringen, die Konzentrationsfähigkeit steigern, den Geist in der „Chill out-Zone“ bewahren und Qualitäten hervorbringen, die eine Selbst-Verwirklichung ermöglichen. Und das schöne ist: OM kann nicht nur auf der Yogamatte oder auf einem Meditationskissen getönt werden. Ein sattes und wiederholtes „OOOMMM“ ist durchaus auch beim Autofahren (besonders beim Stau-nen dabei), beim Kochen, beim Duschen, Schlafen legen der Kinder, Unkraut jäten, Putzen oder gerade in spannungsgeladenen Situationen zum Runterkommen etc. erlaubt frei nach dem Motto „OMt Zeit, OMt Rat.“

 

Alle guten Dinge sind OM
OM vereint. Das OM-Zeichen, so attraktiv, dass es heiliges Objekt und Trendtätowierung, Kraftsymbol und Klobrillenverzierung, Weisheitsträger und Esoterikinszenierung ist. Die Schreibweise oder ideogrammatische Darstellung ist variantenreich, genauso wie die Auffassung dieser. Dennoch gibt es Sichtweisen, die sich bei Recherchen rund um das Symbol OM wiederholen.
OM symbolisiere Trinität und das „Darüber hinaus“. Die drei Bögen stünden immer für eine Dreieinigkeit und der Halbkreis samt Punkt für Unendlichkeit, alles, was ist und ein „Zuschauerbewusstsein“, das die anderen drei Ebenen be- und erleuchtet und mit unserem Denken nicht erfassbar wäre.
OM werden sämtliche Dreieinigkeiten zugeordnet. Neben den drei Bewusstseinszuständen – Wachzustand, traumloser Zustand und Tiefschlaf – gibt es noch einige andere:
Brahma – Vishnu – Shiva
Saraswati – Lakshmi – Kali
Schöpfer – Erhalter – Zerstörer
Gottvater – Gottsohn – Heiliger Geist
Yang – Yin – Tao
Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft
oben – Mitte – unten
Körper – Geist – Seele
OM vereint. Vermutlich noch so viel mehr, das jenseits unseres Begreifens und tief im Verborgenen und Beschützten liegt.


Wo eine Stille, da ein Weg

"Das OM im Yoga ist für mich wie ein Knoten im Taschentuch. Es erinnert mich regelmäßig an etwas ganz Wichtiges und das ist die Vergänglichkeit allen Lebens. Genau wie der Klang des OMs aus der Stille heraus geboren wird, anhält und wieder in sie zurückkehrt, genauso komme auch ich aus der Stille, lebe und kehre wieder in sie zurück. Mich daran regelmäßig zu erinnern, rückt für mich vieles wieder in die richtige Beziehung zueinander." (Philipp Strohm von YogaMeHome.org)

Wo ein Weg, da eine Stille. Noch einmal kurz zurück zum Klang. Genauso wichtig, wie das Tönen und Chanten von OM, ist nämlich die Stille danach, der Nachhall in Körper, Geist und Seele. Brauchen wir nicht auch die Abstände zwischen den Wörtern, weilwirsonsteinbisschenlängerbrauchenwürdenumzusehen,wasdassteht? Sind nicht auch in der Musik die Noten von Bedeutung, die ausgelassen wurden? Stellen Sie sich vor, Sie genießen ein Stück köstlichster Schokolade. Es zergeht Ihnen auf Zunge und Gaumen, erfüllt sie und auch wenn Sie es hinunterschlucken, ist es immer noch da, schmeckt in Ihrem Mund nach, kostet Sie weiterhin noch aus. Der Nachgeschmack hat auch Geschmack.
Gleichsam darf Ihnen OM auf der Zunge zergehen, auch wenn es einen anderen Weg nimmt. Der Geschmack von OM, die Schwingung, wird spürbar im Bauch, erreicht Wirbelsäule, Brustraum und Herz, berührt die Kehle und vibriert am Ende sanft in Stirn, Hinterkopf und am Scheitelpunkt. Und dann? Stille.


Ein kurzer M-OM-ent

Wie wäre es, wenn du dich – nachdem du diese Zeilen fertig gelesen hast – einfach mal kurz aufrecht hinsetzt. Schließ die Augen, atme ein paar Mal tief in den Bauch ein und aus und konzentriere dich auf den Punkt auf deiner Stirn zwischen den Augenbrauen. Sobald du bereit bist, lass ein OM, dein OM, tönen und nimm den Nachklang, die Stille wahr. Wiederhole dies, sooft du willst. OM. Das ist alles, was du eigentlich an Erklärung brauchen. Nun genug der Worte verloren.


Text:
Lena Wiesbauer
Verweis: Für kleine YogiNis, gibt es hier das Gedicht "Komm, liebes Om", mit dem kleinen Yogi.
Quellen:

AUM, Die Unendliche Energie – Dr. Vinod Verma – Sheema Medien
http://www.divya-jyoti.de/Yoga-Texte/Y-Texte/text_OM.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Logos

http://www.faszination2012.de/

http://www.seelische-staerke.de

http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_om.html

 

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Von: Lena Wiesbauer

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